Change Management

11.10.2016

Beruflich habe ich es jeden Tag mit Veränderungen zu tun.
Die einzige Konstante ist wohl, dass sich der Tag nie so gestaltet, wie ich es ursprünglich geplant habe. Die Ironie daran; privat mag ich Veränderungen überhaupt nicht. Und das ist vermutlich noch die Untertreibung des Jahrzehntes. 

Ich halte an Menschen, Dingen und Situationen fest und möchte, dass alles so bleibt wie es ist. Anders kann man es wohl nicht erklären, dass ich meine beste Freundin bereits aus im Kindergarten kenne, mein halbes Leben Vegetarierin bin und selbst für's Studieren nie aus meinem Heimatbundesland herausgekommen bin. Was mir beruflich leicht von der Hand geht; Neuerungen einzuleiten, spontan und flexibel zu agieren und Veränderungen herbeizuführen, fällt mir privat unglaublich schwer. So schwer, dass ich oft genug länger an etwas festhalte als es mir gut täte.

Natürlich ist Beständigkeit an sich, nichts Schlechtes und zeugt von Treue und Loyalität. Manchmal tut es aber einem auch einfach mal gut, los zu lassen und sich zu verabschieden. Zum Beispiel von "Energie-Vampiren"; Menschen, die einem nicht gut tun und an denen man festhält, weil man irgendwann mal eine schöne gemeinsame Zeit hatte, auch wenn von der inzwischen nicht mehr viel zu spüren ist. Inzwischen kann ich das, auch Dank meines Berufes, wesentlich besser. 

Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel


Die vergangenen Wochen habe ich genutzt, um etwas mehr Veränderung in mein Leben zu bringen und los zu lassen: ich habe endlich mal meinen Kleiderschrank ausgemistet, Kosmetik aussortiert und mich auch sonst von allerlei gegenständlichem Krempel getrennt. Und wieder einmal festgestellt, dass sich das Loslassen von solch weltlichen Dingen durchaus therapeutisch auswirken kann. Endlich mal anzupacken statt immer nur zu verschieben, fühlt sich so befreiend an, dass es auch gleichzeitig meine Aktivität gesteigert hat und ich viel mehr erledige. Verstärkt wird dies noch durch die Befriedigung des Abhakens meiner To Do-Listen, was mir wiederum Energie schenkt noch mehr zu tun. 

So ist es letztlich auch zu einem neuen Blogdesign gekommen und einer zukünftigen Verschiebung der Inhalte. Naturkosmetik bleibt weiterhin der Fokus, aber spüre selbst, dass ich diesbezüglich ein wenig gesättigt bin und mich andere Themen aktuell mehr interessieren: Nachhaltigkeit und ein generell ökologischerer Lebensstil. Wer mehr schafft, hat auch mehr Zeit nachzudenken. Und dann hoffentlich auch, darüber zu schreiben. Momentan bin ich noch damit beschäftigt, die alten Beiträge zu formatieren, Fotos wiederherzustellen und dem Layout den letzten Schliff zu geben - endlich, denn auch das stand schon viel zu lange auf meiner To-Do-Liste und hat mich implizit ausgebremst.

Manchmal sind es aber auch Gedanken und Erinnerungen, die einen ausbremsen, auch, wenn es einem vielleicht nicht immer so bewusst ist.
Loslassen kostet weniger Kraft als festhalten. Und dennoch ist es schwerer
Als meine Oma vor 19 Jahren starb, war das ein herber Schicksalsschlag für mich. Der samstägliche Besuch und die Übernachtungen in den Ferien, eine Konstante, die mich durch meine Kindheit begleitet hatte, fiel plötzlich weg und ich musste mich zum ersten Mal bewusst mit dem Tod eines geliebten Menschen auseinandersetzen. Was ich jedoch nicht tat. Stattdessen verdrängte ich lieber und ignorierte das nagende Gefühl meiner Verlässlichkeit beraubt worden zu sein und den Schuldgefühlen darüber, dass ich als Teenager immer weniger Lust hatte, meine Zeit mitten im Nirgendwo auf dem Land zu verbringen. Ich mied es, ihr Grab nach der Beerdigung zu besuchen und drückte mich darum, dass Haus, in dem ich soviel Zeit verbracht hatte und das mir immer ein zu Hause war, mit auszuräumen. Ich wollte nicht, dass meine Eltern es verkauften, darin leben wollte ich jedoch auch nicht. 

Immer wieder habe ich darüber nachgedacht, die Stätte meine Kindheit, wo ich so viele glückliche Stunden verbracht hatte, aufzusuchen. Die Furcht davor, dass sich alles verändert haben könnte, überschattete den Drang jedoch. Das Haus meiner Oma wurde inzwischen abgerissen; keine Möglichkeit mehr, eingemachtes Obst aus dem Keller zu holen, kein Spielen mehr mit dem Puppenhaus und kein Erkunden des Zuckerbodens. 
Vielleicht sind inzwischen alle Felder bebaut, die geheimen Verstecke unzugänglich, der Spielplatz abgerissen und der Teich zugeschüttet...

Letztes Wochenende hat es mich dann gepackt; ich wollte einen der womöglich letzten schönen Herbsttage genießen, spazieren gehen und Fotos für den Blog schießen. Und fuhr einfach in das Dorf meiner Kindheit. Aus der Erinnerung fuhr ich ein wenig aufgeregt durch die Ortschaften; die ich schnell wiedererkannte, denn so viel hatte sich gar nicht verändert. Und auch im Dorf, hat sich weitaus weniger getan als ich es vermutet hatte. Das Haus meiner Oma steht nicht mehr, aber hier und da waren sie noch: die vertrauten Ecken. Natürlich hat sich in den Jahren etwas getan, aber die "Grundmauern" meiner Kindheit stehen noch. Melancholisch und doch froh darüber, dass Bekannte wiederzusehen, spazierte ich durch die Felder und das Dorf.
Jede Begegnung ist eine Erfahrung, und jedes Loslassen eine Erkenntnis
Und eine Erkenntnis machte sich breit: durch meine Angst vor Veränderung und dem Versuch das Erlebte in meinem Gedächtnis "zu konservieren", hatte ich mit meiner Konzentration darauf, ganz viele andere schöne Erinnerungen vergessen. Manchmal muss man wohl loslassen, um zu erkennen was man wirklich hat...

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Beitrag, der mir wirklich gut gefallen hat! Ich mag auch das neue Design, aber vor allem hat mir das Teddybild gefallen :)

    Schön, daß du so eine Oma hattest und dann anscheind auch noch auf dem Land: und Geschichten wie eingemachtes Obst und Zuckerboden klingen großartig!

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Vielen Dank fürs Kommentieren :)

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