Behind the Scenes: oder warum ich manchmal kein PR-Sample brauche,

12.01.2017

um zu wissen, dass ein Produkt nichts für mich ist.

Das Blogger-Leben ist doch ein Traum; Einladungen zu Events, von Firmen gepudert und ein Badezimmer voll mit Produkten, die man kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen hat. 

Die Realität sieht natürlich anders aus: je nach Professionalisierungsgrad, steckt eine ganze Menge Arbeit im selbigen und bei 5 Lesern, öffnet man auch nicht jeden Tag den Briefkasten und findet Pakete gefüllt mit Produkten. Mal ganz von der Frage abgesehen, ob man das überhaupt möchte. Das dies auch schnell in Frust umschlagen kann, darüber hat Karin//Kosmetik Natürlich im vergangenen Jahr geschrieben. Und meine Meinung zu PR-Samples habe ich hier auch schon einmal ausführlich kund getan.



Die aktive Seite hinsichtlich kostenloser Produkte tendiert in meinem Fall gen Null. Dennoch flattern immer mal wieder Anfragen in mein eMail-Postfach. Inzwischen kann ich darüber lachen, aber anfangs war die Freude groß, schließlich hat jemand mein kleines Blögchen in den weiten des Internets gefunden, um dann schnell in Enttäuschung umzuschlagen. 95% sind nämlich Schrott: Produkte, die so überhaupt nicht zu mir und meinem Blog passen (und die manchmal schon fast absurd sind: von Hängematten bis hin zu Hochzeitskleidern oder einer selbst erstellten Infografik, die einen wahnsinnigen Mehrwert für den Leser hat). Das Gros sind ohnehin Copy+Paste-Nachrichten. Manch einer schafft es immerhin, ins Impressum zu schauen und meinen Namen in die Nachricht einzusetzen. Viele aber nicht mal das. Richtig übel nehmen kann ich das noch nicht einmal, denn klar, virales Marketing boomt. Und Hand auf's Herz: wer hat nicht schon mal ein Produkt gekauft, dass von einer lieben Bloggerin hoch gelobt wurde?^^ 

Auch eine beliebte Form der Anfragen: ob man nicht für ein bestimmtes Portal schreiben möchte. Natürlich nicht gegen Bezahlung, nein, gegen Reputation. Ich soll also bitte Content liefern, jenseits meines eigenen Blogs, quasi kostenfrei, aber nicht umsonst, denn das brächte ja auch meinem Blog Aufmerksamkeit. Klar, oder ich blogge einfach hier...

Die dritte Form, der Anfragen bezieht sich auf "Kunden", die immer auf der Suche nach Bloggern sind, die über die Marke, ein Produkt o.ä. schreiben. Die Entlohnung häufig gering, umso höher aber die Anforderungen; der Beitrag müsse so und so lange online bleiben und natürlich müssen die Verlinkungen "do follow" sein. In diesem Fall spielt die Reputation des Bloggers dann keine Rolle ;). 
Anfragen zum Mediakit oder zur Preisliste, beantworte ich standardmäßig damit, dass ich so etwas nicht habe, da ich einen privaten Blog betreibe und dies auch so beibehalten möchte. Vor einigen Monaten erreichte mich allerdings eine Anfrage einer Agentur, die bei passenden Auftraggebern auf mich zukommen wolle. Sponsored Posts ist so eine Kategorie, die ich eigentlich nicht bedienen möchte. Interessant fand ich aber, dass die Do-Follow-Link-Sache angesprochen wurde und ich solche von vornherein ausschließen konnte. Eigentlich eher erschreckend, zeigt es doch, dass es da noch genug Firmen und offensichtlich auch Blogger gibt, die dies anbieten und annehmen. Spaßeshalber und aus Neugierde habe ich mich eintragen lassen, da daraus keine Verpflichtung für mich entstand. Ratet mal wie viele passende Kooperationspartner mir bisher vorgeschlagen wurden...(ja, "0")

Dass sich nicht jedes Start Up erlauben kann, Geld für Beiträge auszugeben, verstehe ich und da ich mit dem Blog nicht das Ziel verfolge Geld zu verdienen, habe ich auch nichts gegen ein Produkt-Sample einzuwenden. 

Blogger-Mantra: kosten- und bedingungslos!

Und auch, wenn es gebetsmühlenartig wiederholt wird; es hat schon einen Sinn. Schließlich möchte ich selbst bestimmen, ob, wann und in welcher Form ich darüber berichte (oder eben auch nicht) und vor allem: ehrlich.  

Aufhänger für diesen Beitrag war auch eine spezielle Anfrage, die ich vor vier Wochen erhielt: eine Creme, die mit MIR kooperieren möchte. Da man sich die Mühe gemacht hatte, meinen Namen einzufügen, las' ich erst mal weiter. Eine Repaircreme bei Hautproblemen fand ich schon mal spannend. Ayurvedische Produkte sind jetzt nicht so ganz meins, aber hey. Während ich gewohnheitsmäßig nach den Inhaltsstoffen suchte, zeichnete man aber schon mal ein Bild über die zukünftige Zusammenarbeit: ich bekäme eine Creme zur Verfügung gestellt und würde im Gegenzug einen Blogbeitrag und/oder Instagram Post mit Feedback und der entsprechenden Verlinkung und vorgegebenen Hashtags verfassen. Ganz offensichtlich haben zwar die meisten Blogger 'kosten- und bedingungslos' verinnerlicht, nicht aber unbedingt Marken oder PR-Agenturen.

Hier übrigens die Inhaltsstoffe der "hochwertigen ayurvedischen Produkte, die Natürlichkeit, Tradition und Wirksamkeit vereinen":


Ingredients (Inhaltsstoffe):
Petrolatum (Vaseline), Cocos nucifera oil (Kokosöl), Cera Microcristallina (Mikrowachs), Paraffin (Paraffinwachs), Azadirachta indica bark and leave extracts (Niembaum), Curcuma longa rhizome extract (Gelbwurz), Rubia cordifolia root and stem extracts (Färberwurzel), Wrightia tinctoria leaf oil (Sweet Indrajao), Parfum (Parfüm), BHA (Butylhydroxyanisol), Titanium dioxyde (Titandioxyd) 

Ich finde es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass in der Signatur der eMail 
"Before printing, think about the environment!" steht...

Manchmal braucht man eben kein Sample, um zu wissen, dass ein Produkt nichts für einen ist...

Kommentare:

  1. Muhahaha, super umweltfreundlich und gut für die Haut!

    Danke für's verlinken, liebe Sandra. Ich habe mir vorgenommen, 2017 klar Schiff zu machen und 2018 wie Phönix aus der Asche aufzusteigen. Ich kenne diese Anfragen, und manche nerven.

    Zu Events wurde ich bislang kaum bis nie eingeladen, mich hat noch nie ein Flugzeug auf eine kanarische Insel geflogen, damit ich mir die Aloe Vera-Ernte anschauen könnte. Dann frage ich mich, warum. Und antworte mir selbst: weil ich kein Hochglanz-Blogger bin und auch über unangenehme Sachen schreibe. Darum. Es geht auch in der NK-Welt nur um Umsatz, und mit meiner Reichweite bin ich ein schlechter Multiplikator.

    Leider bekomme ich (allermeistens) nicht die Bloggersamples, die ich gerne hätte. Man antwortet nicht mal. Dabei weiß ich, dass ich bei Akamuti, BalmBalm oder so nur passende Produkte erwischen würde, egal, was sie mir schicken, weil die Sachen einfach zu mir und meiner Haut passen.

    Aber auch dafür habe ich mir einen Plan für 2017/2018 ausgedacht. Tschakka, ich übernehme die Weltherrschaft über mein kleines, persönliches Reich, denn mein Blog gehört mir, und da bin ich der Chef.

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  2. Hach ja, da hast du mal wieder Recht!
    Ungefragte PR-Samples sind zu 95% nicht mein Fall. Meist verlose / verschenke ich das dann aber auch gleich an Freunde oder Leser.
    Abgesprochene PR-Samples finde ich dagegen toll, denn so kann ich selbst auswählen, mit wem ich kooperiere bzw. welche Produkte ich bekomme. Ständig muss ich das aber auch nicht haben. Wundere mich ja auch bei den großen Blogs, die alle Naselang neue gesponserte Produkte zeigen - wie groß ist deren Produktlager bitte? Mich würde das nur erdrücken und ich habe schon mehr Pflege und Makeup als Otto Normalverbraucher...

    Zu Events kann ich oft nicht gehen, wenn ich denn mal eingeladen werde (was übrigens äußerst selten ist). Die Termine korrelieren einfach nahezu immer mit der Uni. Wie immer, die Vivaness auch *sfz*

    LG Valandriel

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  3. Liebe Sandra, du bringst es auf den Punkt! Zwar bekomme ich (glücklicherweise) nicht allzu viele kuriose Anfragen, aber auch ich kenne das Gefühl "oh wie toll, jemand möchte, dass ich darüber schreibe". Im Endeffekt möchte man nicht "unhöflich oder gar undankbar" sein, aber mal ganz ehrlich: wohin mit den ganzen Zeug? Im schlimmsten Fall stapeln sich PR-Samples, bauen Druck auf und kippen nach und nach, weil man so viel gar nicht an einem Körper verwenden kann. Und das widerspricht ja nun ganz und gar der "nachhaltigen Naturkosmetik-Philosophie" und erinnert wieder mal daran, dass es uns hier verdammt (und viel zu) gut geht! Vielen Danj für deine kritischen Artikel und ganz liebe Grüße.

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  4. Ich habe auch noch nie aktiv nachgefragt, da käme ich mir komisch vor.
    Ich musste beim Erwähnen der Creme schmunzeln, weil ich dachte "Kommt mir bekannt vor". Und als Du dann die INCI gepostet hast, Bingo, wusste ich es doch, dass ich auch schon mal damit angefragt wurde.
    Ich nehme nur noch Produkte an, die mich interessieren wie zuletzt die John Masters Sachen. Besagte Creme gehörte nicht dazu, wie man sich denken kann. :)

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  5. Danke für diesen tollen Artikel. Dein Creme-Beispiel im Sinne von "Manchmal braucht man eben kein Sample, um zu wissen, dass ein Produkt nichts für einen ist" trifft den Nagel auf den Kopf. Du sprichst mir mit vielem aus der Seele. Auch ich weiß nach >5 Jahren bloggen sehr genau woran ich Interesse habe. Auch kommt für mich nur thematisch zum Blog passendes infrage (z.B. Uhren, Matratzen, Unterwäsche etc. wären das nicht). Ich nehme daher kaum noch PR-Samples an, weil für mich auch etwa 90% völlig unpassend sind bzw. 9 von 10 Anfragen kommen aus diversen Gründen sowieso schon gar nicht in Frage. Anfragen "unter aller Sau" (wenn ich das mal so deutlich sagen darf) - üble Massenmails, unlautere Angebote etc. - landen bei mir direkt im Spam - denn nichts anderes sind sie. Wurde ganz offensichtlich keinerlei Zeit für das Anschreiben investiert, investiere ich auch sicherlich nicht meine Zeit in eine Antwort. Auf die wenigen Anfragen die ich erhalte und mich tatsächlich interessieren würden, kommt traurigerweise sehr häufig nach Betonung meiner Voraussetzungen wie bedingungslos, kein do-follow etc. keine Antwort mehr (obwohl ich das schon auf dem Blog ausdrücklich vermerkt habe). Aber ich bin mit der aktuellen Situation glücklich und es ist sehr angenehm, keinen Druck seitens PR-Samples zu verspüren. Liebste Grüße <3

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  6. Es bleibt spannend, wo sich die Blogger und die Firmen in Zukunft hin entwickeln...
    Ich finde es eher erschreckend, dass die Firmen mit ihren dubiosen Angeboten immer wieder Anklang finden.

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  7. P.s. Muss ergänzen, dass das "glücklich sein" auf die wenigen, ausgewählten PR-Samples bezogen war und nicht auf das dubiose Verhalten mancher Unternehmen :-) Das habe ich etwas missverständlich formuliert. Glg

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  8. @Karin: mir geht's ja ähnlich; nicht genug Reichweite und so. Aber ich frage mich ganz ehrlich auch
    oft warum sollte ich? Ich meine, klar, das ist sicher spannend und macht Spaß, aber durch
    die Welt jetten für solche Events, ist ja nun auch nicht gerade die umweltverträglichste
    Geschichte und das widerspricht dann letztlich doch irgendwie dem Gedanken der Natur-
    kosmetik, oder nicht? Und wie Du schon schreibst, man ist ja nicht an der Person interes
    siert, es geht um's Verkaufen. Ich mag mich nicht von einer Marke einlullen lassen. Des-
    halb ziehe ich Messen oder Veranstaltungen, wo ich auf mehrere Marken treffen und nach
    meinem Interesse gehen kann, vor.
    Da bin ich ja mal gespannt!

    @Valandriel: ich habe ja auch nichts gegen PR-Samples an sich und ich freue mich, wenn ich
    Anfragen erhalte. Zum Glück gibt es ja auch die 5%, die passen ;)
    Ach Mensch...Schade! Ich hatte gehofft, dass es dieses Jahr mit der Vivaness klappt

    @Theresa: Absolut! Nicht umsonst heißt es ja NATURkosmetik ;)

    @Heli: obwohl ich es nachvollziehen kann; wenn mich etwas sehr interessieren würde, käme das
    vielleicht in Betracht, aber ich trage mich auch so nicht in Newsletter und dergleichen
    ein. Ich bin auch kein DM-Marken-Insider :D Ich warte dann ja insgeheim immer drauf, dass
    das jemand ernsthaft verbloggt...aber bei uns in der Nische passiert das, glücklicher-
    weise, so gut wie nie.

    @Cupcakes: ja, bei alt eingesessenen und großen Blogs muss das ja noch viel furchtbarer sein.
    (und vor allem, wenn man damit auch noch Geld verdient).

    @Kunterdunkle: Geht mir ähnlich. Liegt aber ein stückweit auch an den Bloggern selbst. Es wird
    ja immer wieder mokiert, dass sich kleine Blogs abzocken lassen und Beiträge für
    50€ verfassen. Gerade von seiten professioneller Blogger. Hat für mich aber über-
    wiegend etwas mit mangelnder Transparenz zu tun.

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Vielen Dank fürs Kommentieren :)

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