Sind Sheetmasks (der) Shit?

10.03.2018

Nicht nur bei der Überschrift, auch beim ganzen Thema merke ich, wie mein altes (10 Jahre jüngeres  ;)) Ich wieder die Kontrolle übernehmen möchte. Eben jenes, welches mich dazu verleitet hat drölfzig Shampoos, Conditioner und Duschgele im Bad stehen zu haben und auf ziemlich viele Kosmetik-Industrie-Werbeversprechen hereinzufallen. Nagut völlig wahllos konsumiert habe ich nicht, aber gerade Trendprodukte haben mich schon immer sehr angesprochen.

Nicht anders ergeht es mir aktuell mit Sheet Masks. Und offensichtlich nicht nur mir; anders kann ich es mir nämlich nicht erklären, warum es im perfekten Instagram-Kosmos,wo Blumen auf den Betten liegen und es an der Tagesordnung ist, sich selbst (nach vermutlich 1000 Selfie-Versuchen) mit dem Hashtag "wokeuplikethis" (wer's glaubt...) zu inszenieren,  en vogue ist, sich als Jason aus Freitag der 13. abzulichten.

www.washing-green.com


Sollte der Trend tatsächlich an Euch vorbei gegangen sein; der Name stammt vom Englischen sheet = Laken oder Tuch. Und kommt, wer hätte es gedacht, aus Korea. Der Name ist bereits ein deutlicher Hinweis darauf, wie man diese zu verwenden hat. Hier wird die Gesichtsmaske (bzw. -packung) nicht aufgetragen, sondern eben wie - und mit - ein(em) Laken auf das Gesicht gelegt. Praktischerweise sind diese dann auch schon entsprechend zugeschnitten, so dass man während des Tragens mal eben den Haushalt verrichten kann. Oder am Motorrad schrauben oder so...

Klingt convenient?  Ist es auch: Packung aufreißen und ab auf's Gesicht. Kein Anrühren, kein Abwaschen, kein Geschmiere. Das ist allerdings nicht der einzige Vorteil! Die Tücher sind i.d.R. mit Wirkstoffen bzw. wasserbasierten Seren getränkt. An der Luft verdampfen diese normalerweise recht schnell. Durch die "Abdichtung" via Tuch werden sie daran gehindert. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass sie anders als beispielsweise Gesichtspackungen mit Tonerde nicht so stark antrocknen und bröckeln.

Unterscheiden lassen sich dabei unterschiedliche Typen von Masken bzw. deren Material:

  • aus Baumwollfasern und sehr papierähnlich - die günstigste Variante
  • Zellstoff-Masken, die preislich ähnlich liegen, allerdings eine bessere Absorbationskraft haben. Nachteil: sie trocknen schneller aus
  • Hydrogel-Masken, die sich der Gesichtsform besser anpassen, aber eben auch deutlich teurer sind
  • Bio-Cellulose (microbial cellulose), die teuerste Form der Maske, die aber (an sich)  auch eco-friendly ist - sowohl durch Herstellung als auch was die biologische Abbaubarkeit angeht. In der Biomedizin wird Bio-Cellulose als künstliche Haut bei Verbrennungen und als Okklusiva bei chronischen Wunden eingesetzt
Inzwischen findet man aber auch Masken aus Silikon oder Seide...die Vielfalt wird immer größer. Und für diejenigen, die nicht als Michael Myers-Double durchgehen möchten, gibt es sie inzwischen auch in der goldfarbenen Variante oder mit neckischem Tier-Aufdrucken (die ich persönlich manchmal fast noch gruseliger finde ;)).
"Zugeschnitten" (pun intended) sind Sie auf die unterschiedlichsten Haut-Bedürfnisse; vom Feuchtigkeitsboost über Detoxing (duh) bis hin zur Faltenreduktion. Soweit zumindest die Versprechen. An Wirkstoffen wird auch allerhand dafür geboten: von Aloe Vera über Vitamine bis hin zu Schneckenschleim und Kohle. 

Beachten sollte man allerdings die Grenzen einer Gesichtsmaske. Einen Feuchtigkeitsboost bringen die Sheet Masks auf jeden Fall und bis zu einem gewissen Grad glätten sie auch; man denke z.B. an Wirkstoffe wie Hyaluronsäure, die aufpolstern. Durch die okklusiv wirkende Maske hat man den Vorteil, dass die Aktiva besser in die Haut geschleust werden und nicht schon vorzeitig verdunsten. Allerdings handelt es sich nur um kurzzeitige Effekte. Damit meine ich nicht zwingend nur eine halbe Stunde; bei Meike//Durch Grüne Augen hielt dieser sogar bis zu zwei Tagen an. Wer allerdings effektiv Falten mindern möchte oder Akne behandeln, hat hier schlechte Karten, denn die Wirkstoffe dringen nur in die oberste Hautschicht ein. Besser beraten wäre man hier mit einer Skincare-Routine, die chemische Peelings, Retinol, Antioxidantien und Peptide umfasst. In Sachen Regelmäßigkeit könnte man natürlich einwenden, dass man die Sheet Masks ja auch häufiger einsetzen kann.

Upside down, Mask you turn me...

Und damit sind wir dann auch bei einem der Punkte, die mich den Trend als "shit" betiteln lassen. Die Anwendung ist alles andere als günstig. Klar, man wird inzwischen auch in der Drogerie fündig -einen Preis von 1,99€ kann man verschmerzen. Wer aber bei Naturkosmetik bleiben möchte, muss schon mal 14€ pro Maske zahlen. Selbst bei einer wöchentlichen Anwendung, sind das mal schlappe 56€ durchschnittlich im Monat. Und irgendwie klingen mir da wieder die Stimmen im Ohr, die sich damals über den Preis der Vestige Verdant Maske "beschwerten". Mit dem 100ml Tiegel komme ich auf deutlich mehr als 4 Anwendungen.

Problem Nummer 2: So praktisch die Anwendung, gerade auch die Mitnahme auf Reisen, je öfter ich zu Sheet Masks greife, umso mehr Müll produziere ich. Ich bin sicher nicht die Queen of Zero Waste; wer ohne Sünde ist und so (meine Sünde: Badezusätze im Sachet)...aber der doppelte Müll ärgert mich. Und selbst wenn ich zu der abbaubaren Maske greife (am Whamisa Stand sagte man mir, dass man die Algen-Maske theoretisch in den Biomüll werfen könne; das Foto zeigt ein PR-Sample, das ich erhalten habe), bleibt die nicht-umweltfreundliche Umverpackung.
Ich greife in Sachen Wirkstoffen ja auch zu konventionellen Produkten; hier enthalten viele Masken zudem Mikroplastik. Auch wenn ich die Maske in den Müll werfe, finde ich, dass das nicht sein muss.

Ich bin also etwas zwiegespalten wie ich den Trend finden soll. In meinem Fall kommt meine Pienzigkeit hinzu was reizarme Pflege angeht: die meisten Masken enthalten deklarationspflichtige Duftstoffe, was für mich nicht in Frage kommt. Oder viel Alkohol. Die Inhaltsstoffe sollte man prinzipiell vor dem Kauf prüfen; weil viele Hersteller auf den Trend aufspringen, gibt es auch jede Menge Müll (im übertragenen Sinne). Klinische Studien zu den Masken gibt es bisher auch nicht, so ist der okklusive Effekt auch eher Theorie. 

Was bleibt ist der Pampering-Effekt; sich selbst und der Haut etwas Gutes tun. Durchaus eine Win-Win-Situation. Ich habe mir während des USA-Urlaubs übrigens tatsächlich mal, eher aus Versehen^^, eine Hydrogel Sheet Mask gekauft und benutzt. Die Angelegenheit verlief allerdings recht glipschig und durch die universelle Größe auch nicht ganz einfach. Die Maske war mich zu groß und rutschte durch die Gegend. Tätigkeiten verrichten: Fehlanzeige. Man ist also wirklich gezwungen sich hinzulegen und zu entspannen. Wenn die Maske aber nicht bleibt wo sie soll, dann ist das gar nicht so einfach.
Den Effekt fand ich aber wirklich gut; auch meine Haut war gut durchfeuchtet und aufgepolstert. Da bin ich fast schon ein wenig froh, dass es diese nicht mehr gibt, so dass ich nicht in Versuchung gerate.

Übrigens, ein wenig in Verruf sind die K-Beauty Masken bereits geraten: Racked hat im Jahr 2016 aufgedeckt, dass es bei einem koreanischen Masken nicht so hygienisch zugeht, wie es die Verpackung vermuten lässt, da diese nicht maschinell sondern bei den ArbeiterInnen zu Hause abgepackt werden...

Was sagt Ihr? 




Kommentare:

  1. Vielen Dank fürs Verlinken!
    Ich war ja durchaus begeistert von den Whamisa-Masken, speziell der Sea Kelp Maske. Aufgrund des a) hohen Preises und b) dem von Dir angesprochenen Müll ist die Anwendung einer solcher aber ein Luxus (im wahrsten Sinne des Wortes), den ich mir nur ab und an gönnen würde. Dann aber auch bewusst und mit viel Freude. Macht sich bestimmt gut vor einer Hochzeit oder so (hehe), leider kannte ich die Masken vor meiner Hochzeit noch nicht.
    LG!

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    1. Ja, Du warst mega-begeistert; deshalb war ich dann noch mehr in Versuchung ;D Deshalb bin ich auch ganz froh, dass mir die Inhaltsstoffe so oft nicht zusagen :D

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  2. Toller Post, habe ich sehr gern gelesen :)
    Ich habe bisher zwei der Gesichtsmasken von Whamisa getestet - beide habe ich geschenkt bekommen, selbst kaufen würde ich mir einen solchen Luxus wohl eher nicht, zumal ich Tiegel und Tuben vorziehe - zum Einen wegen der Müll-Thematik, die man ja wirklich nicht noch verschlimmern muss, zum anderen, weil ich soviel Schischi für ein Produkt, dass ich danach wieder zum Teil entferne, nicht einsehe :D Aber das ist mit Sicherheit Geschmackssache. In der konventionellen Kosmetik soll es 2018 wohl Masken mit Glitzer und Pailetten drin geben, damit man während der Anwendung auch fancy aussieht - es geht immer noch schlimmer, wirklich grenzenlos :D

    Liebe Grüße,
    Kati

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    1. Das freut mich! :)
      Ich habe auch gelesen, dass es evtl. Körpermasken (gegen Cellulite und Co) geben soll...und nach den Tiergesichtern überrascht mich das mit Glitter auch nicht mehr. Soziologisch ist dieser Trend auch recht interessant und aus Marketing-Sicht ;D

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  3. Bei Tuchmasken bin ich zweigespalten: Auf der einen Seite sind sie praktisch und effektiv, auf der anderen Seite sind sie teuer und produzieren viel Müll. Ich habe eine Maske von Whamisa ausprobiert, die fand ich toll. Die von Bio:Végane sind auch nicht schlecht. Aber am liebsten rühre ich die Maske selbst an.

    Liebe Grüße

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    1. Was vermutlich dann auch die günstigere und weniger umweltrelevante Variante ist ;)

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  4. Harr! Ich habe mich bereits beim Lesen des Titels köstlichst amüsiert und mich auch im folgenden an deiner sachlich zynischen Art erfreut. :D
    Mit der Nutzung von Masken versprechen wir uns einen Effekt. Immer. Wir wollen beruhigen, hydratisieren undsoweiterundsofort. Sheet Masks kann ich irgendwie nicht so recht als Maske im klassischen Sinne ernst nehmen, eher als ein in die Länge gezogener Schritt, ein Serum aufzutragen und danach wie gewohnt zu pflegen. Wie du schon sagst, wird das Hantieren mit Wirkstoffen über einen längeren Zeitraum auf regelmäßiger Basis wahrscheinlich einen deutlich größeren Effekt haben als eine einmalige Anwendung einmal die Woche als klassische obligatorische Maske. Und dann muss man sich wirklich fragen, ob die Kosten-Nutzen Relation stimmt.

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    1. Ja, deshalb konnte ich sie dann auch nicht gänzlich verreissen ;) Weil selbst ich einen Effekt gesehen habe und man das Pampering da wirklich nicht vernachlässigen darf (ich muss da auch immer direkt an Placebos denken ;D). Vielleicht wäre der Effekt bei der Nutzung eines Serums auch ähnlich, würde man sich einfach viel mehr Zeit dafür nehmen...(und hätte nicht das Problem mit dem Verdunsten / schnell Einziehen).

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  5. ...der zweite Abschnitt XD ♥

    Ich bin auch schlicht und ergreifend zu geizig, so viel Geld für eine Anwendung auszugeben. Ich habe zwar immer noch keine optimale Skincare Routine, robbe aber langsam heran - und würde dann doch lieber in einen Tiegel investieren.
    Abgesehen davon, dass ich die Masken mega gruselig finde, ist mir der Verpackungsmüll auch sehr suspekt ^^
    Ich bin da voll auf deiner Seite!

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Vielen Dank fürs Kommentieren :)

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